Tamazight-Sprache

Tamazight, auch Berberisch genannt, ist die älteste Sprache Nordafrikas. Das älteste Dokument in masirischer Sprache und Schrift stammt aus dem Jahr 139 v.Ch..
Die dauerhafte Beschäftigung der Masiren mit der Herrschaft anderer Völker führte zur Fragmentierung ihrer Kultur und Sprache. Eine stabile und starke Schriftkultur konnte sich aufgrund der politischen Ereignisse nicht entwickeln und durchsetzen. Die masirische Sprache wurde trotzdem gesprochen. Versuche der Masiren, die eigene Kultur und Schrift durchzusetzen, wurden nur dann möglich als die Masiren sich stark fühlten und politisch stabil waren. Massinissa, einer der mächtigsten Könige des damaligen Mittelmeersraums führte sowohl das nationale Alphabet der Masiren ( Tifinagh ) als auch neue landwirtschaftliche Techniken ein. In dieser Zeit entstanden auch die ältesten Schriftdokumente der Masiren. Die heutigen Masiren versuchen seit den 1960er Jahren ihre Sprache und Kultur ohne Hilfe des Staates schriftlich festzuhalten und zu entwickeln. Sie wollen sie für die künftigen Generationen erhalten und attraktiver machen.å
Das Masirische hat sich trotz mehrerer Kolonisationen erhalten. Masirisch wird in Libyen, Tunesien, Siwa (Ägypten), Mali, Niger und Burkina Faso und von den Tuareg (schwarzen Masiren) gesprochen. Ihre genaue Zahl ist schwer zu ermitteln.




Im heutigen Marokko gibt es drei kulturelle Regionen, in denen masirisch gesprochen wird. Im Norden Marokkos wird der Dialekt „ Tarifit “ gesprochen. "Tamazight" wird im Innern Marokkos gesprochen. Der Begriff „ Tamazight “ wird auch als Oberbegriff für das Masirische verwendet. "Tashelhit" ist ein Dialekt, der im Süden Marokkos gesprochen wird. Die Berberologen sprechen von einer masirischen Sprache und mehreren Dialekten. Masirisch verfügt trotz der Dialekte über eine einheitliche Grammatik. Die Verschiedenheit der masirischen Dialekte manifestiert sich auf der lautlichen Ebene und im Wortschatz.
Die Tamazight-Sprache besitzt ein Alphabet seit der Antike. In diesem Alphabet wurden Texte verfasst, die man unter libyschen Schriften kennt. Es handelt sich um eine typisch semitisch reine, strenge Konsonantenschrift ganz ohne Vokalbezeichnung (was nur bei einer Sprache mit vorhersagbaren Vokalismus sinnvoll möglich ist).
Heute erscheinen die Tifinagh Zeichen, wie willkürlich erfunden, einfachste lineare Zeichen zu sein. Tifinagh hat schon reines Konsonantenprinzip mit den alten orientalisch-semitischen Alphabeten gemeinsam. Dabei gibt es allerdings einen kleinen Unterschied: während etwa ein Araber ein b- Zeichen, Bâ, ein t-Zeichen Tâ nennt ( auch Europäer noch, Bé und Té sagen ) , ist für die heutige noch Tifinagh-Schrift gebrauchenden Imazighen, die Tuâreg, das b- Zeichen ein, eB und das t-Zeichen ein, eT, d.h für die Orientalen sind die Konsonanten, Silbenöffner, für die Tuâreg, Silbenschließer.
Die noch heute gebrauchbare Tifinagh-Schrift ist der letzte Überrest einer drei Jahrtausenden lang blühenden, höchst eigenartigen und eigenwilligen libyschen Schriftkultur, die (nach den Funden zu urteilen) vom Westen Ägyptens bis auf die kanarischen Inseln verbreitet war. Es handelt sich um ein striktes Konsonanten-Alphabet. Die Vokale sind eventuell in zweiter Linie mittels der Konsonantenzeichen festgestellt worden. Die libyschen Einschreibungen sind in ganzen Nordafrika und sogar auf den Kanarischen Inseln benutzt worden. Sie sind im Osten von Tunesien in der Region von Constantine besonders zahlreich bekannt.
Französische oder arabische Bücher über Tamazight sind vorhanden. Die Schwerpunkte dieser Publikationen sind Themen über die soziolinguistische Lage des Masirischen und die Status- und Korpusplanung des Masirischen. Wer die eigene Geschichte nicht geschrieben hatte, muss noch lange forschen und zwischen den Zeilen lesen können, bis man eine eigene Geschichte in eigener Sprache verfasst hat.
Die wirtschaftliche und soziale Marginalisierung der berberophonen Regionen führt zur Landflucht und Akulturation der Masiren in den neuen Industriezentren, wie Casablanca oder Rabat. Einige europäische Staaten (Frankreich, Belgien, Niederlande und Deutschland) holten Gastarbeiter aus den berberophonen Regionen. In Paris leben viele Tashelhitsprechende Menschen. In die Niederlande und nach Deutschland sind Menschen, die Tarifit sprechen, ausgewandert.
In Frankfurt leben 10.000 Imazighen aus dem Norden Marokkos. Imazighen sprechen meistens mehrere Sprachen.
Das Masirische bzw. Tamazight verfügt in Marokko trotz mehrerer königlicher Ankündigungen immer noch über keinen rechtlichen Status in der marokkanischen Verfassung. Daneben ist Tamazight seit 2001/2002 die zweite Amtssprache in Algerien. In Marokko gibt es zwar einige Radiosendungen in masirisch, und seit 1994 gibt es sogar 15-Minuten-Nachrichten im ersten staatlichen Fernsehprogramm (RTM), aber angesichts der bedeutenden Sprecherzahl des Masirischen muss man von einem staatlichen Rassismus und einer Benachteiligung der Masrien sprechen. Publikationen in masirischer Sprache nehmen seit den 1970er Jahren zu, und man kann von einer Renaissance des Masirischen sprechen. Unter den Publikationen sind Erzählungen, Übersetzungen, Wörterbücher, Gedichte, Märchen, kritische Texte usw..
Diese schlichte Bewegung der Imazighen in Nordafrika führte zu einem neuen Sprachbewusstsein bei den Masiren und stellte dabei ein Sammelbecken von verschiedenen Strömungen dar, welche die Anerkennung der Amasirität der Region fordern. Nur die Anerkennung der masirischen Identität in der nationalen Verfassung, würde das Masirentum am Leben erhalten und den Staat zum Respekt vor der kulturellen und sprachlichen Vielfalt zwingen.



Zum Schluss ein kleiner Vorgeschmack der Schönheit dieser Sprache in Tarifit:
Bab en Taffa yetass, Ighadhaien Tmanghan
Izan watggan bou thammante
Lalla taâafant, Rqadidh anass yessbah
Weschmischakan a thassrith, baba th yema
Alahu akbar watkassi gha tamzidha aness
Aqmmoum iblân, wattidhfne yezane
Amidhaze ndcha waysfarige
Itourga rkhoukh dhé djyari
Itarra rqabe ghaydhane
Wedyarine rkhba e tajja mani yenssa
Manisse thaka thissinefft yedhfarit o firo
Zzayk miaw zzayk ssab
Thyazit wattaro dhi jmaâth
Quellen:

Artikel von Mouhnd Sroub:
„Sprache und Politik am Beispiel des Berberischen in Marokko :
Das Berberische zwischen Arabisch , Marokkanisch und Französisch.
Entwicklung, Stand und Zukunft des Berberischen in Marokko

 
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